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Cambergs alte Häuser

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Cambergs alte Häuser

Von Ilona Miedl und Petra Maurer

„Wir haben in der Altstadt ein Haus gekauft. Haben Sie darüber irgendwelche Unterlagen"?. Diese und ähnliche Fragen werden uns im Stadtarchiv Bad Camberg des Öfteren gestellt, wenn es z.B. darum geht, eine Fassade neu zu gestalten, ältere An- und Umbauten zu erfragen oder nur Informationen zu dem Haus und seinen Erbauern zu erhalten.

Das Stadtarchiv kann dazu auf ca. 50 Archivkartons , gelagert unter dem Suchkriterium Aktenzeichen XXVI - Bauwesen - Abschnitt Privatbauwesen, zugreifen. In jedem Karton befinden sich durchschnittlich 10 bis 15 Aktenbündel (Faszikel), die nach dem Nachnamen des Grundstückseigentümers sortiert sind. Hier kann der interessierte Besucher Bauzeichnungen, Pläne und statische Berechnungen für „russische Kamine", Aborte, Remisen, Lagerhallen, Hühnerhäuser, Stallungen, Wohnhäuser, ja sogar Pläne für die Erbauung einer professionellen Seidenraupenzuchtanlage ( im oberen Teil des Kurparks) einsehen. Teilweise existieren zu den Wohnhäusern wunderschöne Zeichnungen mit Details und Erläuterungen in Schriftarten aus der Zeit des „Jugendstil" ( um 1900 ) .

Drei der Wohnhäuser, zu denen die Originale der Bauzeichnungen und -pläne vorhanden sind, möchten wir hier vorstellen:

 

StABC :Abt. XXVI, Abschnitt 3 Konvolut 8, Faszikel 22: Dembach, Karl, Wohnhaus Eisenbahnweg, Stockbuch Nr. 4684 und 6451, Lagerbuch Nr. 26- 157/154 1903 bis 1908

Das ist wohl das markanteste Haus in der Bahnhofstraße In dem Baugesuch vom 27. Februar 1903 schreibt der Bauherr Karl Dembach (Inhaber eines Stuckgeschäftes) u.a. Das Wohnhaus sowie der Stall sollen massiv aus bestem Ziegelmauerwerk hergestellt und mit Cementstuck versehen werden.

Bereits in der Bauzeichnung vom 28. Februar 1903 kann man erkennen, dass auf dem Dach eine Tierfigur (Affe) vorgesehen war, heute sitzt dort eine Katze. Wie uns Frau Ria Lang mitteilte, und wie wir in dem Namensregister zum Brandkataster bestätigt fanden, war in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts der Tierarzt AloisBernhard Besitzer des Hauses. Da in der Bauzeichnung von K. Dembach die Tierfiguren (Tiger, Leoparden ) aus Stuck an der Fassade noch nicht vorgesehen waren, könnte es durchaus sein, dass der Tierarzt Bernhard diese Stuckarbeiten als Tierfreund anbringen ließ.

 

Gerade dieses Beispiel zeigt, dass man bei der Suche nach Dokumenten oftmals „um die Ecke" denken muss. Wie bereits erwähnt, sind die Archivalien nach den Nachnamen der Bauherren, bzw. Grundstückeigentümer sortiert. In diesem Fall konnten wir unter dem Namen Bernhard nur einen Antrag auf Erbauung eines Lagerschuppens finden. Im Namensverzeichnis des Brandkatasters war der Name Alois Bernhard aufgeführt. Die hierzu gehörende Katasternummer verwies auf Karl Dembach als Vorbesitzer des Grundstückes und Bauherrn dieses Hauses und unter diesem Namen fanden wir den Bauantrag und die vorliegende Zeichnung.

 

StABC XXVI Abschnitt 3, Konvolut 36 Faszikel 1, Wenz, Franz, Wohnhaus, Waschküche und Ladenvergrößerung, Frankfurter Straße, 1879 bis 1891 :

 

 

Der Bauantrag umfasste ein neues Wohnhaus nebst Remise und Ladengeschäft. Das Haus sollte massiv aus Feldbausteinen errichtet , mit Schiefer gedeckt und zum Betrieb eines Kaufmanngeschäftes sowie als Wohnung benutzt werden. Auch zu dem damaligen Zeitpunkt wurden Bauanträge teilweise nur mit Auflagen genehmigt:

Dem Gesuch um Erlaubnis zur Erbauung eines Wohnhauses mit Remise nach angefertigtem Plan und anliegendem Situationsplan wird unter folgenden Bedingungen willfahrt, dass....

Es folgten insgesamt 10 Einschränkungen und Bedingungen, unter denen die Baugenehmigung am 1. Februar 1879 erteilt wurde.

U.a.

4. der Schornstein genau nach der Verordnung vom 8. November 1854 fundamentirt und ausgeführt.

6. nicht mehr als zwei Treppentritte vor die Flucht des Hauses an der Ladenthür verlegt werden.

 

Die wohl schönste Bauzeichnung fanden wir in:

 

StABC, XXVI, Kovolut 32, Faszikel 13. Stockmann, Philipp Wwe. Verschiedene Bauvorhaben Frankfurter Straße/Strackgasse Katasterbl. 21 Parz. 161, 1904 bis 1907

 

Hier erhielten wir von Frau R. Lang den Hinweis, dass das Bauvorhaben nie so aufwändig ausgeführt wurde, wie die Zeichnung es vorgesehen hatte. Möglicherweise war es für die Bauherrin eine Kostenfrage, das Haus mit all den Erkern, Stuckarbeiten und Schmuckgiebeln nach Plan erbauen zu lassen.

Die Statik umfasst 22 Seiten mit handschriftlich ausgeführten Berechnungen. Unter sonstigen Bemerkungen der technischen Prüfung des Bauerlaubnisgesuches vom 3. Mai 1904 ist zu lesen:

Die Ecke nach der Gutenbergstraße ist um 25 cm abzuschrägen.

Eine bemerkenswerte Auflage bei der Größe des geplanten Gebäudes.

In dem Haus waren neben Geschäfts -und Arbeitsräumen sowie Büro, Küche und Magazin im Erdgeschoss sehr großzügig geschnittene Wohnräume in ersten Obergeschoss ( 8 Zimmer und zwei Küchen) und Mansarde ( 7 Kammern ) vorgesehen.

Das Haus wurde in den vergangenen Jahren restauriert und ist ein Schmuckstück am Eingang zum Altstadtbereich.

 

Wir sind bemüht, vom Stadtbauamt und dem Sanierungsbüro Informationen und Dokumente zu den restaurierten Häusern im Altstadtbereich zu erhalten. Diese wären somit für nachfolgende Generationen in gleicher Weise verfügbar, wie die hier vorgestellten Bauunterlagen aus der Zeit von vor über 100 Jahren.

Fotos: Petra Maurer

   
© Magistrat der Stadt Bad Camberg