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Vor 100ert Jahren im Goldenen Grund

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12.06.1917

 

Auch für die nur zu frommen Werken bestimmten Glocken hat nun der Kriegsdienst begonnen. Zahlreiche Glocken werden aus ihrer Höhe heruntergenommen und für Kriegszwecke nutzbar gemacht. So konnten auch wir am Sonntagabend von 9 - 10 Uhr, zum letztenmale das Abschiedsgeläute usnerer Glockenh vernehmen. Zum letztenmale riefen sie uns zu und ermahnten uns. Werden wir sie nach ihrem Abschied aus Camberg vielleicht noch einmal wiedersehen? - Keiner von uns vermag diese Frage zu lösen. Seit gestern ist man hier schon mit dem Herunternehmen der Glocken an der Arbeit. Wie wir vernehmen, soll für jede Kircheiiene Glocke vorläufig zurückbehalten werden.

 

 

 

 

 

14.04.1917

 

Das Kultusministerium veröffentlicht folgenden Erlaß: "Durch Bundesratsverordnung vom 16. Februar ist auch für das Jahr 1917 die Sommerzeit eingeführt worden. Sie beginnt am 16. April vormittags 2 Uhr und endet am 17. September vormittags 3 Uhr. Im vergangenen Jahre ist der Unterrichtsanfang während des Sommers, trotz Einführung de rSommerzeit, vielfach gewohntermaßen eine Stunde früher angesetzt worden als im Winter. Infolgedessen mußten die betreffenden Kinder tatsächlich zwei Stunden früher als im Winter zur Schule kommen, was nach manchen Beobachtungen zu Störungen im Haushalt und Verkehr, sowie zu einer Übermüdung der Kinder geführt hat. dieser Erfahrung ist bei Festsetzhung des Beginns der Schulstunden für das bevorstehende Sommerhalbjahr unter sorgsamer Beachtung der örtlichen Verhältnisse Rechnung zu tragen. Es kann somit auf die sonst üblich gewesene frühere Ansetzung des Unterrichtsbeginns während der sSmmermonate verzichtet werden." Demgemäß wird der Schulbeginn wohl eine Stunde später, also auf 8 Uhr, festgesetzt werden müssen.

 

 

 

 

 

 

22.02.1917

Fünfpfennigstücke aus Aluminium kommen demnächst auch in den Verkehr. Sie sollen in Höhe von 20 Millionen Mark ausgeprägt werdne, tausend Stück aus dem Kilo.

 

03.03.1917

 

 

Am 1.3. ist eine Bekanntmachung in Kraft getreten, die neben einer freiwilligen Ablieferung von Bonzeglocken auch eine Beschlagnahme, Enteignung und Einziehung von Bronzeglocken vorsieht. Alle Einzelheiten ergeben sich aus dem Wortlaut der Bekanntmachung und aus den Ausführungsbestimmungen, welche dei mit der Durchführung beauftragten Kommunalbehörden erlassen. Die Veröffentlichung erfolgt in der üblichen Weise durch Anschlag und Abdruck in den Tageszeitungen; außerdem ist der Wortlaut der Bekanntmachung bei der Ortspolizeibehörde und im Kreisausschlußbüro einzusehen. Um den Bedürfnissen des Gottesdienstes gerecht zu werden, sieht die Bekanntmachung vor, das hierfür voerst je eine Glocke im Geläut erhalten bleiben soll. Auf kunstgewerblichen Wert, der durch behördlicherseits für diese Bekanntmachung besonders nahmhaft gemachte Sachverständige festzustellen ist, oder umnittelbar durch die Ausichtsgbheörde anerkannt wird, wird die erfolderliche Rücksicht genommen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

23.12.1916

 

 

 

Verschiedene Eisenbahndirektionen haben eine Verfügung erlassen, worin getadelt wrid, daß die weiblichen Bediensteten nicht mit dem sehr nötigen Ernst und Pflichtbewußtsein ihre Dienstgeschäfte wahrnehmen und auch in ihrem äußeren Auftreten viel zu wünschen übrig lassen. Alle weiblichen Bediensteten, auch die welche noch keine Uniform, aber eine Dienstmütze tragen, haben  ihre Vorgesetzten mitlitärisch zu grüßen -

Im Anschluß an obige Notiz möchten wir einen Fall erwähnen der sich vor einigen Tagen auf der Strecke Limburg-Camberg zutrug. Als der Triebwagen 6.26 ab Limburg unterwegs in einem Bahnhof einfuhr waren die Mitreisenden noch im Wartesaal eingeschlossen. Der Wagen stand schon still und die Reisenden stiegen aus. Mit einemmale stürmt die "Knipserin" aus dem Arbeitszimmer und schließt schnell auf um zu knipsen, mit dem Bermerken: "Ei du lieber Gott, dat is mer doch so lewe noch nit passiert". Glücklicherweise hatte der Triebwagen Verspätung und da kam es ja auf eine paar Minuten Verspätung mehr oder weniger nicht an. Aber in der kurzen Dienstzeit welche die Beamtin hinter sich hatte mag ihr denn auch ein solcher Fall noch nicht vorgekommen sein.

 

07.10.1916

 

Dem Vernehmen nach hat sich vielerorts lebhafter Handel mit bereits reifen Schlachtschweinen entwickelt, die von Privaten gekauft, noch 6 Wochen eingestellt und dann zur Hauschlachtung angemeldet werden sollen. Auf diese Weise wollen sich Private die Vorteile der Selbstversorgung sichern, ohne daß sie die Mästung geleistet haben. Die Allgemeinheit, die schon jetzt kaum Schweinefleisch beziehen kann, hat dabei den Nachteil. Es wird darauf hingewiesen, daß alle verkäuflichen Schweine von mehr als 80 Kilogramm Lebendgewicht nur an den Viehhandelsverband verkauft werden dürfen und im Falle des Verkaufs an die Kreissammelstelle des Viehhandesverbandes abgeliefert werden müssen.

 

 

 

 

28.09.1916

 

 

 

Die Handwerkskammer richtet an alle Handwerker ihres Bezirks die dringende Mahnung, sich nach Möglichkeit an der Zeichnung der 5. Kriegsaleihe zu beteiligen. Es handelt sich um eine Notwendigkeit und um eine Ehrensache des deutschen Volkes. Die Handwerker werdne, bei ihrer anerkannten vaterländischen Gesinnung nicht zurückstehen wollen. Ganz besonders erwarten wir dies von denjenigen Handwerkern die durch Heereslieferungen aber andere lohnende Arbeit Verdienst gefunden haben. Wer zeichnet, erfüllt nicht nur eine bedeutsame vaterländische Pflicht, sondern er handelt auch als guter Hausvater, weil dei nlage von Gld bei der Kriegsnaleihe denkbar günstig ist.

 

 

 

08.06.1916

 

 

Städtischer Eierverkauf

Am Donnerstag, den 8., Nachm. von 3 - 5 1/2 Uhr, werden noch eimal pro Familie 25 Stück eier im Rathause auf Grund der Brotbücher ausgegeben. Preis 21 Pfg. pro Stück. Geld abgezählt halten.

Vorrat genügend, andrängen daher unnötig.

 

 

 

 

 

 

 

13.04.1916

 

Früherlegung der Tageszeit.  Durch die bereits gemeldete Verordnung des Bundesrats über die Sommerzeit in den 5 Monaten von Mai bis einschließlich September beginnt der 1. Mai bereits am 30. April 11 Uhr nachmittags, der 30. September endet eine Stunde nach Mitternacht. Der oft erörterte Zweck der Maßnahme ist die bessere Ausnutzung des Tageslichts und die gerade im Kriege erwünschte Ersparnis an Rohstoffen und Erzeugnissen für Beleuchtungszwecke. Da sich die geschäftlichen sowohl wie die privaten Lebensgewohnheiten der Bevölkerujng nicht nach dem wechselnden Eintritt des Sonnauf- und- untergangs richten sondern ganz überwiegend an feste Tagestunden gebunden sind, läßt sich jenes Erparungsziel nur durch die Umstellung der Uhr in der vollkommensten und allgemeinwirksamsten Weise erreichen. Insbesondere wird sich der städtische Verkehr weniger lange in den dunklen Abendstunden abspielen. Die Schwierigkeiten, die sich aus der Zeitverschiebung für das internationale Verkehrswesen ergeben, haben - zumal während des Krieges - keine Bedeutung; vielleicht darf man auch hoffen, dass verbündete und neutrale Staaten sich zu glechiem Vorgehen entschließen. Übrigens hat auch Frankreich die bessere Ausnutzung des Tageslichts beschlossen.

 

21.12.1915

 

Der Winter hat abermals mit Schnee und bitterer Kälte seinen Einzug gehalten. Ein echtes rechtes Weihnachtswetter; im weißen Winterschmuck prangt die Landschaft; ein reizvolles Bild bieten besonders die Bäume und Sträucher, deren Zweige phantastisch  wie mit weißem Flaum und glitzernden Kristallen geschmückt sind. heute Morgen zeigte das Thermometer 10 Grad Kälte.

Morgen nachmittag 5 1/2 Uhr findet die Weihnachts-Bescherung der Stadt für die Kinder der Camberger Krieger im Schulhause dahier statt.Da die taubstummen Schüler während ihrer Ferien in ihrer Heimat Brotkarten haben müssen, so müssendie Pflegeeltern die Brotkarte der betreffenden Kinder auf hiesiger Bürgermeisterei abgeben und erhalten darüber eine Bescheinigung, die den Kindern zur Erlangung einer Brotkarte in die Heimat mitzugeben ist.

 

 

14.08.1915

 

Geschäftsanzeige:

 

Wegen Sterbefall verkaufe ich eine neue, fast noch nicht gebrauchte 3 kg Wage, Tisch, Nachtschrank, Bettstelle mit Sprungrahmen, Küchenschrank. Ferner wegen Aufgabe des Geschäfts an Spielwaren: Portemonnaie, Rasseln, Trompeten, Puppen, Perlfläschchen, Gießkännchen, Eimer, Mundharmonikas, etc. zum Einkaufspreis.

Peter Mühle I. in Würges

 

Camberg

 

Mehrere Gewitter. welche in den letzten Tagen hier nieder gingen, brachten den für Feld und Garten lange ersehnten Regen. Die Erntearbeiten gehen unter Mitwirkung einiger französischer Gefangener hier ganz flott vorwärts....

 

 

22. 05.1915

 

(Kirchliches) Der Hauptgottesdienst an den Pfingstfeiertagen wird in der kath. Pfarrkirche um 10 Uhr gehalten. Vorher, 9 1/4 Uhr, ist Gottesdinst für die z.Z. hier untergebrachten Kriegsgefangenen. Daran darf außer der Wachmannschaft und den Gefangenen niemand teilnehmen. -

Das neue Gestühl auf der unteren Emporbühne ist in diesen Tagen von den hiesigen Schreinermeistern ertragsmäßig abgeliefert und aufgestellt worden. Das Ganze stellt in seiner soliden Ausführung dem heimischen Handwerk ein vortreffliches Zeugnis aus. Die Klagen über die in gesundheitlicher Beziehung mangehaften und der andächtigen Haltung abträglichen alten Bänke werden jetzt sicher verstummen. Mögen aber auch aufhören die Klagen über üble Behandlung der neuen Bänke durch Aufsetzen der Füße auf die Kniebänke und ähnliche Ungehörigkeiten.

 

 

26.01.1915

 

Vielfach besteht die irrige Ansicht, vom 23. bis 30. Januar sei die Auslieferung von Paketen bis zum Gewichte von 5 kg nach dem Feldheere gestattet. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Versendung von Feldpaketen vorläufig noch nicht wieder zugelassen ist.

 

Eine vor einigen Tagen unter einer kleinen Gesellschaft im Restaurant Birod am Bahnhof veranstaltete Sammlung für den "roten Halbmond" brachte ca. acht Mark zusammen. Der Betrag wurde durch Herrn Christ nach Frankfurt gesandt.

 

Die Liebesgabensammlung am 22.1. in Camberg hat wieder die folgenden beachtlichen Zahlen ergeben:

144 Brote

21 Pfd. Butter

127 Eier

184 Stück Würste

31 Stück Rauchfleisch

4 Pfd. Kaffee

9 Tafeln Schokolade

2 Päckchen Tee und Kakao

1 Packchen Emser Pastillen

10 Päckchen Zwieback

1 1/2 Pfd. Zucker

5 Flaschen Wein

7 Gläser Fruchtsaft

1/2 Ctr. Obst

30 Apfelsinen

2124 Cigaretten

10 Cigarillos

1600 Cigarette

135 Päckchen Tabak

1 Pack Feuerzeug

Außerdem 55,50 Mk. in Bar.

Davon sind für das hiesige Lazarett behalten worden:

5 Flaschen Wein

7 Gläser Fruchsaft

1/2 Ctr. Obst

30 Apfelsinen

2124 Cigarren

10 Cigarillos

1600 Cigaretten

und 55,50 Mk in Bar.

Das übrige ist der Liebesgabenstation zu Limburg überwiesen worden,

Herzlichen Dank allen Gebern im Namen der Bedachten

Camberg, den 23. Januar 1915

Der Bürgermeister

Pipberger

 

In ein deutsches Haus gehört in dieser Zeit kein Kuchen

 

 

 

 

 

 

24.12.1914

 


Fröhliche Gesichter sah die Stadtverwaltung heute im Rathaussaale, in dem allen Kindern unsrer Krieger aus städtischen und privaten Mitteln Weihnachtsgeschenke gegeben wurden. Der würdigen, vom Bürgermeister eingeleiteten Feier, entsprach die Dekoration im Hause und Freude hat das Ganze wohl in jeden Winkel der Stadt getragen.

 

 

 

 

 

14.07.1914 

Zum Kaisermanöver werden in diesen Tagen die Gestellungsbefehle von den einschlägigen Bezirkskommandos an die einzuberufenen Reservisten verausgabt werden. Etwa 900 Mann werden in jedem Bezirk zu der 29 tägigen Manöverübungen eingezogen

 

 

 

30.06.1914

An Stelle des verstorbenen praktischen Arztes Dr. Fluck wurde der praktische Arzt Dr. Lieber als Anstaltsarzt des Taubstummeninstituts zu Camberg vom Landesausschuss bestellt

 

09.05.1914

Würges

Der hiesige Militär-Brieftauben-Verein "Fortuna" ist seit einigen Wochen mit dem Trainieren seiner Tauben im Gange, so von Villmar, Wetzlar, Weilburg, Marburg, Wabern, von letzterer Station heute Samstag. - Von samstag, den 23. Mai an beginnt der Wettflug - Konkursflug - und zwar in Abständen von 8 - 14 Tagen von 1. Göttingen (200km). 2. Nordhausen (240km), 3. Sangerhausen (270km), 4. Bitterfeld bei Berlin (330km), 5. Zossen (435km), 6. Sternberg  (530km) 7. Bück in Posen (625km). Dieser Reiseplan ist vom Kriegsministerium der Nassausischen Reisevereinigung, wozu auch unser Verein gehört vorgeschrieben. Bis jetzt haben unsere Lieblinge gut abgeschnitten und sind wenige Verluste zu verzeichnen. Mögen denn auch die Preiswettfliegen den Verein Glück bringen und wünschen wir dem junge Verein ein "herzliches Gut Flug".

 

 

 

 

Amtliche Nachrichten vom 24.12.1913

 

Die Weihnachtsferien beginnen am 24. Dezember 1913 mit Schluß des Vormittagsunterrichtes. - Im neuen Jahre wird der Unterricht wieder aufgenommen am Montag, 5. Januar, Morgens 8 1/2 Uhr.

 

Am Mittwoch, den 24. Dezember 1913 Nachmittags 4 Uhr wird der Bullenmist an Ort und stelle versteigert.

 

 

 

 

 

 

20.12.2013

 

Der Erweiterungsbau am hiesigen Bahnhof ist jetzt fertiggestellt und vor einigen Tagen dem Betrieb übergeben worden. Zur Zeit ist man mit dem Einmontieren der verschiedenen Weichen beschäftigt und wird der Anschluß des zweiten Gleises der Strecke Frankfurt-Limburg an den hiesigen Bahnhof hergestellt. Wie wir erfahren wird am 4. Januar der zweigleisige Betrieb auf der Strecke Idstein-Camberg eröffnet.

                                                  

25.09.1913

 

Camberg

Mit dem 1. Oktover ist dem Herrn Benefiziaten Jos. Knoth von der Kgl. Regierung das Rektorat der hiesigen Lateinschule übertragen worden.

                                                         *

Mit dem 1. Oktober entwickelt sich in unserer Stadt, durch die Einrichtung einer Cigarettenfabrik der Firma Nestor Gianaclis G.m.b.H, Frankfurt, in den Räumen der früheren höheren Töchterschule, ein neues industrirelles Unternehmen. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, bietet diese Einrichtung eine vorzügliche Verdienstquelle für junge Mädchen. Bei genügender Arbeitskraft verspricht dieses Unternehmen eine segensreiche Entwicklung.

 

 

 

 

16.09.1913

Würges

 

Nachdem die Arbeiten der elektrischen Niederspannung in unserem Orte soweit beendigt sind, ist man mit der Weiterführung der elektrischen Hochspannungsanlage eifrig beschäftigt. Bereits bis Camberg ist man mit dem Auffstellen der Leitungsmaste vorgedrungen. Nur noch kurze Zeit und wir werden die Schönheit des Lichtes begrüßen können, welches leider nur sehr wenig Anschlüsse in unserem Orte besitzt.

 

 

 

 

 

11.09.1913

 

Camberg

Ein von Wiesbaden gekommener noch vollständig neuer Automobil-Omnibus, der mit 15 Personen besetzt unsere herrlichen Taunuswälder durchfahren wollte, verunglückte auf der Weil-Chaussee am Landstein. Diesem Verkehrswagen der Neuzeit brach infolge eines nicht sichtbaren Materialfehlers die Kette, so daß bei dem Fahren im Gefälle ein Unfall hätte passieren können. Der Führer, welcher die Lage sofort übersah, lenkte den mit mäßiger Geschwindigkeit rollenden Wagen gegen einen Baum, um ihn schnell zum Stehen zu bringen, so daß die Fahrgäste ohne Unfall den starkbeschädigten Wagen verlassen konnten. Das verunglückte Automobil passierte gestern Abend unsere Stadt, um per Bahn zurück geschafft zu werden.

 

 

09.09.1913

Camberg

Gestern Vormittag befand sich ein hiesiger Metzgermeister mit einem Schlachtschwein auf der Heimfahrt, als plötzlich das Borstentier seinem Gefährt entsprang und direkt in den Laden des "FrankfurterKonsum" lief. Die Vorübergehenden waren ganz erstaunt von dem kauflustigen Vierfüßler, der aber ohne Ware erhalten zu haben, bald seine Weiterfahrt nach dem Schlachthaus antreten mußte. Unter den Zuschauern errregte diese Szene große Heiterkeit.

14.Juni 1913

Würges


Zufolge ministerieller Anordnung ist der nächste Montag, an welchem sich der Tag der Thronbesteigung unseres Kaisers und Königs zum 25. male jährt, als nationaler Festtag zu erachten, an welchem die Büros aller Staats- und Kommunal-Behörden geschlossen sind. Auch die Post hat an diesem Tage Sonntagsdienst, ebenso die Eisenbahn, welche am Montag Sonntagsfahrkarten ausgibt.

 

Camberg

Der Kapitularvikar des Bistums Limburg hat angeordnet, das am nächsten Sonntag, den 15. Juni, zur Feier des 25jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers und König Wilhelm II in allen Kirchen der Diözese ein Festgottsdienst mit Te Deum gehalten werde. Die Jubiläumsfeier wird durch einstündiges Geläute am Vorabend eingeleitet.

                                                              *

Hier wurde dieser Tage ein junger Mann, wegen Verunreinigung eines Hauses mit 15 Mark Strafe verurteilt. Es sei dieser Fall anderen ein Warnungszeichen!

                                                              *

Das Lehrmädchen Luise Blum, welches bei Fräulein Lina Lottermann seine Lehrzeit beendigte, hat seine Gehülfinnenprüfung als Schneiderin mit "sehr gut" bestanden.

 

 

12. Juni 1913

 


Übersicht über die für das laufende Jahr festgesetzten Sommerferien an den Volksschulen:

Camberg: 27. Juli - 16. August

Würges: 4. August - 25. August

Erbach: 27. Juli - 16. August

Dombach: 23. Juli - 10. August

Schwickershausen: 20. Juli - 10. August

Oberselters: 27. Juli - 16. August

Niederselters: 27. Juli - 16. August

Eisenbach: 21. Juli - 18. August

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

15.04.1913

 

 

Es ist beinahe eine Vermessenheit, in diesem Land Frühobst wie Pfirsiche, Aprikosen und Mirabellen ziehen zu wollen. Da stehen nun die aus südlichen Zonen stammenden Bäume frierend unter dem deutschen Himmel und der Schnee legte seine feuchte Kälte auf ihre sonnenhungrigen Blüten, die wahrscheinlich wieder einmal um die Früchte betrogen werden! Natürlich war es der April, der uns in diesen Tagen das unangenehme Wetter bescherte;  vielleicht lacht er uns heute und morgen obendrein noch aus und tut, als ob gar nichts geschehen wäre. Heute so, morgen anders: Das ist richtiges Aprilwetter! vor einigen Tagen war es heiß wie im Sommer, vorgestern prasselte das Feuer wieder im Ofen und die Kinder konnten noch einmal den Schlitten aus der Speicherkammer holen. Die Bäume, auch die wetterhärteren, lassen ihr junges Laub hängen, wie ins Wasser gefallene Hunde die Ohren; verschiedene Blumen hatten sich schon hoch empor gewagt und bereits ihre Knospen geöffnet als der Grobian April in seiner zügellosen Macht durch eine Nacht des Frostes, die ersten Zierlinge des Frühlings, wieder zu Boden warf. Die Sperlinge, welche ihre riesiges Amüsemant in den letzten sonnigen Tagen, durch ihre vorlauten Schnäbel bekundeten, haben sich wieder ziemlich beruhigt. Wer sich auf Vogelstimmen versteht der hörte z.B. aus dem Gesang der Buchfinken deutlich die melancholische Klage über das miserabele Wetter, das die Lenzesflitterzeit höchst unangenehm unterbrochen hat. Der Taunus stand wieder einmal, und recht unzeitgemäß, bis an die Knöchel im Schnee und hat weiße Schlafhauben über den Feldberg und seine Umgebung gezogen. Anderwärts ist es nicht besser: überall Schnee und an vielen Oerten sogar erheblicher Frost. Auch hier herrschte in der Nacht von Sonntag auf Montag starker Frost, während die Sonne, der Meister des gestrigen Tages mit ihren wärmenden Strahlen den Frostschaden der vorausgegangenen Nacht wieder gut machen wollte.

Eine große Anzahl Schwalben kam gestern hier an und hielt durch lautes Gezwitscher, sowie Überfligen der Stadt, ihre Begrüßungsfeierlichkeiten. Hoffentlich ist diesen, die Wärem liebenden Tierchen, der April ein Barmherziger.

 

Der Wettersturz ist durch ein tiefes barometrische Minimum herbeigeführt worden, das auf dem nördlichen Eismeer seinen Ursprung hatte, sich am Donenrstag in Ost-Schweden befand und von dort nach dem Rigaischen Meerbusen vorgedrungen ist. Es hat uns eisig kalte Nordwestwinde mitgebracht, die die schon verhältnismäßig tiefen Temperaturen noch mehr erniedrigten. In den meisten Gegenden Deutschlands fanden beim Vorübergang des Minimums zahlreiche länger anhaltende Regenfälle statt, die stellenweise von Hagel- und Graupelschauern begleiten waren. Nachdem sich dann gegen Abend der Himmel aufgeklärt hatte, trug die Ausstrahlung des Erdbodens noch mehr zur Abkühlung bei. Es traten daher weitverbreitete Nachtfröste ein.

 

 

 

 

 

 

 

12.04.1913

 


Der "wetterwendische" April, welcher mit Sonnenschein anfing brachte uns gestern und heute eine unangenehme Überraschung. Straßen, Dächer und Fluren waren mit Schnee bedeckt. Doch wollte das Bild keinen recht winterlichen Eindruck annehmen, denn überall schaute das junge Grün des Frühling unter der Schneedecke hervor. Den meisten Schaden hat das Obst gelitten, denn die Birnen, Kirschen, Pfirsische etd. dürften wohl "gegessen" sein, während die Äpfel, Zwetschen und späteres Obst, wenn es keinen weiteren Frost gibt, noch gedeihen können. Hoffentlich macht der April gerade so schnell wieder ein freundliches Gesicht wie er ein böses gemacht hat und richtet keinen noch größeren Schaden im Felde an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

15.03.1913


Die Versendung mehrere Pakete mit einer Paektadresse ist für die Zeit vom 17. bis einschließlich 22. März weder im innern deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland - ausgenommen Argentinien - gestattet.

 

 

13.03.1913


Zur Zeit sind die Schaufenster des Kaufhauses Alban Krings mit Guirlanden festlich geschmückt und mancher Vorübergehende fragt sich, was soll wohl diese Dekoration, sowie die in einem eigens geschmückten Saufenster ausgestellte Zahl "25" bedeuten Das genannte Kaufhaus feiert gegenwärtig sein 25jähriges Geschäftsjubiläum.

 

!!Zu Weinachten!!

 

Camberg in Wort & Bild

 

von A. Schorn

 

118 Seiten mit 133 Illustrationen

 

Preis 3 Mark

 

 

5.12.1912

 

Kauft am Orte! Kauft zeitig ein! Diese kategorischen Imperative möchten wir allen zurufen, die zu Weihnachten ihre Lieben durch Geschenke erfreuen wollen, und wer zählt sich nicht zu diesen Gebelustigen? Je mehr Ruhe man sich zum Auswählen und Aussuchen nimmt, umso gemütlicher wird man fertig. Darum ist es nicht genug dringend anzuraten, schon jetzt zu beginnen, einzukaufen.. Noch herrscht in den Läden nicht die Fülle von Besuchern, wie vor dem Feste, wo man oft gestoßen und gedrängt wird und dann leicht mit Unwillen das Geschäft verläßt, ohne das Gewünschte gefordert zu haben. Dafür findet man bereits die größte Auswahl bei den Kaufleuten; ein jeder hat sich gerüstet, um den Ansprüchen des kaufenden Publikums gerecht zu werden. Bekommt man wirklich das nicht, wa man möchte, dann läßt sich in den meisten Fällen eine Bestellung ermöglichen und man darf sicher sein, daß alles pünktlich eintrifft, während man in den letzten vierzehn Tagen, wo die Post vermehrte Arbeit leisten muß, keine Gewähr dafür hat. Auch für die Verkäufer selbst ist es eine Freude, schon jetzt die Kunden gut bedienen zu dürfen; dagegen wird selbst der tüchtigste und höflichste Mensch oft nervös, wenn alles auf einmal an ihn herandrängt und es fehlt ihm auch an Zeit, sich dem einzelnen so recht widmen zu können. Darum liegt es im beiderseitigen Interesse, mit den Zettel für Weihnachtsbesorgungen möglichst bald loszuwandern und nach und nach einen Wunsch nach dem andern, der dort notiert ist, zu erfüllen. Vor allem kaufe man auch am Orte. Mag man auch Offerten von auswärts bekommen, wo die Waren viel billiger zu sein scheinen, als in der Heimat, so ist das Bestellen aufs Geratewohl doch immer eine gewagte Sache. oft erhält man statt des erhofften schönen Gegenstandes einen werlosen Schund; man trägt aber selbst schuld daran, hat man doch "die Katze im Sack gekauft". Am Wohnort dagegen passiert so etwas kaum. Man kann erst besichtigen, was angekündigt ist, ob es auch für den Zweck sich eignet, für den man es bestimmt hat, und mit prüfendem Blick den Dingen bis ins Herz sehen. Auch die Schererei der Versendung und Verpackung und die Ungewißheit pünktlichen Eintreffens fällt fort; außerdem ist aber Pflicht jedes Bürger, die Industrie seines Ortes nach Möglichkeit zu unterstützen, und es gibt vielerlei Sachen, die gerade hier besonders preiswert und geschmackvoll angefertigt werden.

 

 

 

28.11.1912

 

An den vier Sonntagen vor Weihnachten, also vom kommenden Sonntag ab, ist die Verkaufszeit in den hiesigen Geschäften auf abends 6 Uhr ausgedehnt. Vom 1. Dezember ab bis Weihnachten sind sämtliche Geschäfte abends bis 9 Uhr geöffnet. An den letzten 10 Tagen vor Weihnachten dürfen außerdem die Geschäfte derjenigen Branchen, für die sonst der 9 Uhr Ladenschluß festgesetzt ist, bis 10 Uhr geöffnet bleiben.

 

 

 

Heute abend um 8 1/2 Uhr findet im Saale der Brauerei Hanson die diesjährige Generalversammlung der Weihnacht-Kasse statt. Die Mitgliederzahl beträgt diese Jahr 390 gegen 380 im verflossenen Jahr. Ausgezahlt werden am 9. Dezember von 3 bis 8 Uhr 22 000 Mark. Vorherige Auszahlungen durch den Erheber sollen und dürfen nicht stattfinden. Neue Mitglieder werden bis zum 1. Januar 1913 aufgenommen.

 

 

 

 

16.07.1912

 

Eine der Sommerplagen sind zu jetziger Zeit die Fliegen für Menschen und Tiere. Das Hinausjagen nützt nichts und die Fliegenfänger vertilgen die Plagegeister immer nur zum Teil. Ein Mittel, das geich das ganze Heer in die Flucht treibt und radikal aufräumt, ist das Lorbeeröl, das man in möglichst flachen Gefäßen in Stuben und Ställe stellt. Wenn auch dies Öl für die menschliche Nase nicth gerade angenehm riecht, so ist doch dieses Übel das kleinere. Hat man, besonders in Landgegenden, Lorbeeröl nicht bei der Hand oder ist es zu teuer, so sind Kürbisblätter ein guter Ersatz. Diese werden in den von Fliegen heimgesuchten Räumen angebrannt, was ihren Tod verursacht. Der langanhaltende Geruch des durch die verbrannten Blätter verursachten Rauchs hält neuen Zuzug für einige Stunden ab.

 

Von Insektenstichen wird jetzt jeder geplagt, der sich im Freien aufhält. Am wenigsten noch die Herren, die einen Glimmstengel im Munde führen. Aber ganz werden auch die Raucher nicht verschont. Die Gefährlichkeit der Insektenstiche wird noch vielfach unterschätzt. Es kommen doch häufig genug Fälle von ernsthafter Blutvergiftung vor und es ist jedenfalls immer ratsam, ein Vorbeugungsmittel bei sich zu führen. Es ist dies ein Fläschchen mit 1/3 Salmikgeist und 2/3 Weingeist. Mit dieser Flüssigkeit reie man kräftig die verletzte Stelle ein, dann wird keine Blutvergiftung eintreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

11.06.1912

Camberg

 

Auf einem Acker des Herrn Phil. Mick, Hirtengasse, wurde eine Kornähre gefunden,

welche mit Halm die respektabel Länge von 2,17 Meter aufweist.

 

Am Samstag nachmittag wurden im Garten der Frau Wwe. Bautz in der "Weißerd" von einigen Schulkindern die gelben Rüben smötlich aus der Erde gezogen und herumgeworfen auch die noch unreifen Stachelbeeren wurden alle abgepflückt. Daß es dem Feldschütz der hiesigen Gemeinde bei dem großen Distrikte nicht möglich ist alles zu übersehen ist richtig und könnten Eltern und Lehrer auf diese Unarten der Jugend aufmerksam machen und jedenfalls ein Wort mitreden, damit soche Roheiten unterbleiben. Ein gutes Wort zur rechten Zeit findet immer Gehör.

 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 3 Uhr morgens, übten einige auswärtige Bauschüler, welche ziemlich angeheitert waren, einen furchtbaren Spektakel in verschiedenen Straßen aus und störten so die friedlich schlummernden Bewohner unserer Stadt in ihrer Nachtruhe. Auf dem Wege zum Bahnhof trieben sie einen Lohnkutscher aus dem Bett und ließen anspannen um nach Hause zu fahren als alles fertig war - da stellt sich heraus daß die jungen Herren keinen Draht mehr hatten um die Kosten dieser Fahrt zu bestreiten und nun zogen sie wieder gröhlend und lärmend weiter zum Bahnhof um dann später mit der Bahn die Rückreise anzutreten. Einen hübschen Denkzettel in Form einer ansehnlichen Strafe wäre für solche Ruhestörer wohl am Platze.

 

 

 

 

 

 

18.04.1912

1500 Menschen umgekommen

 

Der Dampfer "Titanic" bei der White-Star-Linie ist am Sonntagabend mit einem Eisberg zusammengestoßen. Er bat um Hilfe. Eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß begann das Schiff zu sinken. Die weiblichen Passagiere konnten in Rettungsboten aufgenommen werden. Eine weitere Meldung besagt: Die Dampfer "Olympic" und "Virginian" antworteten auf die drahtlosen Hilferufe des "Titanic" daß sie schleunigst Beistand leisten werden. Mindestens 1500 Menschen liegen auf dem Meeresgrunde, gerettet sind nur die Schwachen, Frauen und Kinder. Wahrlich, ein erschütternds "Momento mori". Der Untergang der "Titanic" ist das größte aller Schiffsunglücke, die die Geschichte kennt, wie der Dampfer auch das größte Schiff war, das jemals den Ozean druchpflügt hat.

 

 

 

 

28.03.1912

 

aus dem Protokoll der Stadtverordneten-Sitzung vom 9.2.1912:

 

Punkt 4. Errichtung einer höheren Töchterschule in Verbindung mit der höheren Knabenschule dahier. Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Fluck trug in längeren Ausführungen vor, daß in Verbindung mit der höheren Knabenschule eine höhere Töchterschule errichtet werden kann. Das Schulgeld soll sich pro Jahr auf 12 Mark stellen und für die Stadt würden durch die Neueinrichtung Kosten nicht entstehen. Nachdem sämtliche Stadtverordneten für die Einrichtung waren, wurde folgender Beschluß gefaßt:

"Die Stadtverordneten-Versammlung beschließt einstimmig die Errichtung einer höheren Töchterschule in Verbindung mit der höheren Knabenschule dahier. Kosten durch die Neueinrichtung erwachsen der Stadt nicht. Die für die Schule eintretende Mehrausgabe für Unterrrichtserteilung wird durch das Schulgeld gedeckt, welches 120 Mark pro Jahr beträgt.

Der Magistrat wird ersucht, obigem Beschlusse beizutreten und die betr. Unterlagen beim Leiter der Schule, Hernn Oberlehrer Fleischer dahier zu übersenden. Dieser wird den Antrag auf Genehmigung bei der Kgl. Regierung stellen. da die Schule bereits im April 1912 ins Leben treten soll, wird um baldgefälligste weitere Veranlassung ergebenst ersucht".

 

 

 

 

 

21.03.1912

 

Die Stadtverordneten-Versammlung hat am 12. des Monats die Jahresrechnung für 1910/11 auf die Einnahme von 288 081,40 und die Ausgabe von 279 430,59 Mark festgesetzt. Überschuß also 8 650,81 Mark der der Stadtkasse als Betriebsfonds verbleibt. In der gleichen Sitzung wurde der Rechnungsv oranschlag für 1912 beraten; er wurde in Einnahme und Ausgabe auf 186 765,38 Mark festgesetzt. Mit den seitherigen mäßigen Zuschlägen von 140% zu der Einkommensteuer, 160% zu den Realsteuern und 90% zu der Betriebssteuer war es wieder möglich größere Arbeiten in und außer der Stadt vorzusehen, u. A. die erste Rate für ein Projekt, das bezweckt durch Pflanzgruppen unterwegs die großen Wälder der Stadt in nutzbare Nähe zu derselben zu bringen. Dadurch wird Camberg als Wohnplatz sehr gewinnen.

(1 Goldmark 1900 - 1912 = 9,35 Euro)

 

 

29.02.1912

 

Ein auswärtiger, schulpflichtiger Knabe zeigte einem hier wohnenden Schüler eine kleine Schußwaffe. Als letzterer die Waffe in die Hand nahm, um dieselbe näher zu betrachten, nicht ahnend daß dieselbe geladen sei, drückte er los und schoß sich eine Kugel in die Hand.

 

 

11.01.1912

 

 

Man wird sich noch des wohlgelungenen Unterhaltungsabends erinnern, den der hiesige Vaterländische Frauenverein vor 2 Jahren veranstaltete. Bekanntlich hat der genannte Verein sich die Aufgabe gestellt, Arme, insbesondere bedürftige Wöchnerinnen zu unterstützen sowie blutarmen und skrophulösen Kindern Milch verabreichen zu lassen oder Beihilfen für Badkuren zu gewähren. Um dem Verein zu seinen Bestrebungen auf dem Gebiete der Kranken- und Armenpflege neue Mittel zuzuführen, wird am nächsten Montag, den 15. Januar wieder ein Unterhaltungsabend stattfinden, dessen Reinertrag für den hiesigen Vaterländischen Freauenverein bestimmt ist. Ihre gütige Mitwirkung bei demselben haben zugesagt: Die Pianistin Fräulein Martha Lawaczeck von hier, die mit ihrem künstlerischen Klavierspiel in allen Städten, in denen sie bis jetzt aufgetreten ist und große Erfolge gehabt hat, sowie Herr Konzertsänger Geis, der durch seine hervorragende Gesangeskunst auch außerhalb seine engeren Heimat sich einen Ruf erworben hat. Wir dürfen wohl annehmen, daß deren Namen eine große Zugkraft auf die Besucher der Wohltätigkeitsvorstellung ausüben werden. Ein Programm derselben ist in der heutigen Nr. des Blattes veröffentlicht.

 

 

07.10.1911

 

Im Laufe der Monate Juli, August und September hat unsere Muttererde mehr Wärmestrahlen wie in gewöhnlichen Jahren aufgenommen, und dieselben sind tiefer in das Innere der Erde gedrungen wie sonst. Unsere Erde aber ist bekanntlich ein schlechter Wärmeleiter; sie gibt die einmal aufgenommenen Wärmestrahlen nicht sehr schnell wieder ab. Sofern also in diesem Herbste nicht eine beschleunigte Abkühlung durch Nachtfröste, anhaltend kalte Regengüsse oder rauhe Nordwinde erfolgt, kann erwartet werden, daß, wenn einmal wieder die Erde in etwas befeuchtet ist, der Trieb zum Wachstum der Gräser und Futterkräuter im verstärktem Maße sich zeigen wird wie in anderen Jahren in dieser Jahreszeit. Die von der Erde aufgenommenen Wärmestrahlen dringen vor und nach nach oben und helfen Wachstum bedingen. Somit kann die außergewöhnlich starke Sommerhitze uns noch nachträglich zu gute kommen, ein Grund mit, daß der Landmann nicht zu früh an Abschaffung von Vieh denken soll.

 

Ein richtiges Kometenjahr ist das laufende. Nicht weniger als fünf Kometen stehen gegenwärtig am Himmel, die allerdings nur durch gute Gläser zu erkennen sind. Daß es da Krieg und Teuerung geben mußte, braucht wahrhaftig niemand zu wundern.

 

 

17.08.1911

Camberg

Vergangenen Dienstag wurde im Lokale des Herrn Herbodsheimer dahier ein Stenographie-Kursus nach dem System Gabelsberger eröffnet. Es traten demselben sofort 12 Schüler bei. Bei der Wichtigkeit der Stenographie im heutigen Erwerbsleben ist die Errichtung eines solchen Kursus in hiesiger Stadt besonders im Interesse der jungen Leute nur zu begrüßen und ist zu hoffen, daß noch mehr Freunde der Stenographie in nächster Zeit gwonnen werden. Der erste Unterrichtsabend beginnt am Dinestag den 22. August 1911, abends 8 Uhr bei Herrn M. Herbodsheimer hier, und werden alsdann noch eventuelle Neuanmeldungen entgegengenommen. Das Lehrhonorar für den ganzen Kursus beträgt MK. 6.- einschließlich Lehrbuch.

 

In der vergangenen Nacht starb hierselbst im Alter von 82 Jahren der Bürgermeister a.D. Peter Anton Cathrein. Der Verstorbene war 23 Jahre lang Bürgermeister und erhielt bei seinem Übertritt in den Ruhestand von Allerhöchster Seite den Kronenorden. 4.Klasse verliehen. Seit 5 Jahren lebte er in stiller Zurückgezogenheit im Kreise seiner Familie.

 

Infolge der großen Hitze der letzten Zeit zeigen unsere Wälder ein völlig herbstliches Gepräge. Rot, gelb und braun schimmert es auch dem noch teilwiese grünen Blätterschmuck der Bäume und zahlreiche Blätter liegen schon am Boden und mahnen an den bereits beginnenden Herbst.

 

   
© Magistrat der Stadt Bad Camberg